Fachkräftemangel verschärft sich: „Unternehmen dürfen Kopf nicht in den Sand stecken“

 

Tirol (28.03.2019) – Laut einer aktuellen Studie finden 83 Prozent der heimischen mittelgroßen Unternehmen kein geeignetes Personal. Rekrutierungsspezialistin Walch von Duftner & Partner rät Unternehmen, mehr in Weiterbildung zu investieren.

Der Mangel an Fachkräften wird in Österreich immer größer. Der Anteil der Betriebe, die laut eigener Aussage große Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften haben, liegt seit 2018 gleichbleibend bei 30 Prozent, 2015 waren es noch 15 Prozent. Weitere 53 Prozent fällt die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern „eher schwer“. Damit haben 83 Prozent der Unternehmen Probleme Fachkräfte zu finden. Das geht aus der jüngsten Studie „Fachkräftemangel im österreichischen Mittelstand“ der Beratungsfirma EY hervor. Für die Studie wurden österreichweit 900 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern befragt.

Fachkräftemangel größtes Risiko

Für die heimischen Unternehmen sind Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern aktuell bei Weitem das größte Risiko und eines, das sich immer weiter verschärft, so sehen es zumindest die Unternehmen selbst. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Anteil jener Unternehmen, die den Fachkräftemangel als Gefahr für ihre Entwicklung sehen, von 59 auf 69 Prozent. „Es gibt innerhalb Österreichs keine Branche und keinen Ort mehr, der vom Fachkräftemangel verschont bleibt“, erklärt Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich und verantwortlich für den Bereich Mittelstand.

Der leergefegte Arbeitsmarkt macht nicht nur den Personalabteilungen zu schaffen, er kostet die Unternehmen auch Geld. Vier von zehn Unternehmen beklagen Umsatzeinbußen aufgrund des Fachkräftemangels. Fünf Prozent verlieren durch den Fachkräftemangel gar mehr als fünf Prozent ihres Jahresumsatzes. Besonders gravierend sei das Problem laut Studie in der Immobilienbranche und im Bereich Transport und Verkehr.

Dabei plant fast ein Drittel der heimischen Unternehmen, im ersten Halbjahr 2019 ihre Belegschaft aufzustocken, im Jänner 2018 waren es 35 Prozent. In Wien geben sogar 45 Prozent der Unternehmen an, dass ihre Mitarbeiterzahl steigen wird. Österreichweit gehen lediglich sechs Prozent davon aus, dass ihre Mitarbeiterzahl sinken wird. „Die Wirtschaft boomt weiterhin, die Konsumbereitschaft ist groß und die österreichischen Unternehmen haben volle Auftragsbücher. Die Zeichen für 2019 stehen wie auch 2018 auf Wachstum“, so Lehner.

Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

„Es gibt derzeit eigentlich nur zwei Möglichkeiten, um an Fachkräfte zu kommen: Headhunten oder Ausbilden. Wobei auch Auszubildende schwer zu finden sind und man kreative Wege gehen muss, dabei unterstützen wir als Personalexperten. Für ein Unternehmen ist Fachkräfte ohne externe Hilfe zu finden schon fast zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden“, erklärt Jasmin Walch, BSc, Rekrutierungsspezialistin von Duftner & Partner.

Für Walch zeigen die Zahlen der EY-Studie den Ernst der Lage: „Die Unternehmen dürfen jetzt keinesfalls den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen Geld in die Hand nehmen und die Arbeitsplätze attraktiver gestalten. Rein monetäre Anreize sind übrigens zur Mitarbeitergewinnung sicher zu wenig, wenngleich auch wichtig, gerade wenn man an den Köche-Mangel denkt, der seine Ursache in der Unterbezahlung im Gastgewerbe hat.“

Stellen offen zu lassen ist für Walch keine gute Option, da so das Problem nur verschleppt wird. „Besser ist es, sowohl frühzeitig als auch langfristig zu planen und das Geld für Personalberatungen aufwenden“, so Walch. Beim Buhlen um gut qualifizierte Mitarbeiter sei es wichtig, keine falschen Versprechungen zu machen, „sonst platzt die Blase ziemlich schnell.“ Wenig qualifizierte Mitarbeiter einzustellen, die den Anforderungen nicht entsprechen, kann sich auf Dauer kein Unternehmen leisten, daher ist es laut Walch von großer Bedeutung, in Weiterbildung zu investieren: „Unternehmen dürfen nicht darauf warten, dass die Fachkräfte vom Himmel fallen. Es ist unumgänglich, dass die Betriebe bei der Weiterqualifizierung stärker selbst aktiv werden und so die Fachkräftesicherung für den eigenen Bedarf vorantreiben. Die Weiterbildung der Zukunft ist individuell, situativ und kompetenzorientiert.

Jeder fünfte Betrieb beschäftigt Flüchtlinge

Ein weiteres Ergebnis der EY-Studie: Knapp ein Fünftel der befragten Unternehmen beschäftigt asylberechtigte Flüchtlinge (weitere 42 Prozent würden Flüchtlinge beschäftigen). In Vorarlberg sind es sogar 44 Prozent, gefolgt von Tirol (22 Prozent), Oberösterreich (21) sowie Wien und Salzburg (je 20), wo rund jedes fünfte Unternehmen Flüchtlinge zu seinen Beschäftigten zählt. Nur in sieben Prozent der steirischen und elf Prozent der Kärntner Betriebe arbeiten Flüchtlinge.

Walch hat Erfahrung mit Unternehmen, die Flüchtlinge beschäftigen: „Die Integration von Flüchtlingen in den Betrieb ist aufwändig, kann aber lohnend sein, wenn es dann eine besondere Loyalität zum Unternehmen gibt. Vorurteile der Mitarbeiter gegenüber den Flüchtlingen sind, meiner Erfahrung nach, ein häufiges Problem, das für Unternehmen nicht einfach zu lösen ist.“

Als größte Hürden für die Einstellung von Flüchtlingen sehen Unternehmen laut der EY-Studie mangelnde Deutschkenntnisse (80 Prozent), die unklare Rechtslage während laufender Asylverfahren (54 Prozent), mangelnde Qualifikationen (49 Prozent) und fehlende Planungssicherheit (47 Prozent).

Pressekontakt
duftner.digital

Margit Bacher

+43 664 7960040

margit@duftner.digital

Duftner & Partner

Gut ausgebildete, motivierte und engagierte MitarbeiterInnen sind zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor geworden. Unternehmen sind zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, bestehende Schlüsselkräfte nachhaltig an das Unternehmen zu binden bzw. leistungsstarke MitarbeiterInnen zu gewinnen.

www.duftner.at

Jasmin Walch, BSc, CDC

Expertin für Recruting und Personalmanagement

„Es ist unumgänglich, dass die Betriebe bei der Weiterqualifizierung stärker selbst aktiv werden und so die Fachkräftesicherung für den eigenen Bedarf vorantreiben.“