Duftner: „Momo“ Hoax zeigt, dass wir noch viel zu lernen haben

 

Tirol (04.03.2019) – Die Angst vor Videos mit „Momo“ war scheinbar übertriebene Panikmache. Bildungs- und Digitalisierungsexperte Dieter Duftner sieht die Lehrer in der Pflicht.

„Momo“ ist in aller Munde: eine gruselige Gestalt mit hervortretenden, schwarz umrahmten Augen, und einem verzerrten Mund. In Medien, zunächst in Großbritannien, dann auch in Deutschland und in Österreich, in behördlichen Aussendungen und in Rundschreiben wird vor dem Internetphänomen eindringlich gewarnt. Im vergangenen Jahr war „Momo“ nur ein WhatsApp-Phänomen, zuletzt soll die Horrorfigur aber auch auf Youtube aufgetaucht sein und zwar ausgerechnet in Youtube-Videos für Kinder. Dabei sollen Kinder zu selbstverletzendem Verhalten angestiftet werden. Die Aufmerksamkeit zu dem Thema ist groß und hat dazu geführt, dass die Angst vor den „Momo“  Youtube-Videos auch bereits auf andere Länder übergegriffen ist: in den USA haben bereits erste Prominente wie Kim Kardashian öffentliche Warnungen ausgesprochen.

Youtube weist Anschuldigung zurück

Youtube sah sich aufgrund der ausufernden Berichterstattung gezwungen zu reagieren und hat in einem offiziellen Statement auf entsprechende Berichte reagiert. Darin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es derzeit keine Videos auf der Plattform gebe, die zur „Momo-Challenge“ auffordern. Weiter heißt es in der Mitteilung, dass sich das Unternehmen deutlich von derartigen Inhalten distanziere und Videos, die zu solchen „Challenges“ aufrufen, gegen die Richtlinien von Youtube verstoßen. Zwar verletzen Bilder des „Momo“-Charakters, die in Youtube-Videos eingebunden sind, nicht die Richtlinien der Videoplattform, doch sind entsprechende Bilder nicht auf der App „Youtube Kids“ erlaubt. Darüber hinaus hat sich Youtube dazu entschlossen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um derartige Inhalte von der Plattform zu verbannen.

Social-Media Mythos

Entgegen der ersten Annahme steht die breite, virale Verbreitung von „Momo“ in Frage: die Youtube-Videos scheinen derzeit, wenn überhaupt, nicht besonders häufig zu kursieren und Beweise für ein tatsächliches Risiko fehlen. Von mancher Seite wird die neue „Momo“-Aufregung daher sogar schon als Hoax bezeichnet. Ihren Ursprung hat die mediale Aufregung scheinbar in einem einzelnen Facebook-Posting einer Mutter aus Westhoughton. Sie schrieb, dass ihr Sohn ihr erzählt hatte, dass Mitschüler über „Momo“ geredet haben. Das Posting der besorgten Frau verbreitete sich rasant in den sozialen Netzwerken und wurde daraufhin von immer mehr Medien, in immer mehr Ländern, aufgegriffen. Bildungs- und Digitalisierungsexperte Dieter Duftner übt Kritik an der scheinbar übertriebenen Panikmache: „Die Hysterie, die von Medien, Schule und sogar Polizei gemacht wurde bzw. wird, zeigt, dass wir in punkto Medienkompetenz noch viel zu lernen haben. Wir müssen lernen, solche Themen richtig zu beurteilen und nicht alles gleich unreflektiert aufgreifen. Dieses Selbstbewusstsein kommt aber nur mit genügend Wissen über die digitale Welt und daran mangelt es uns noch.“ Für die Zukunft sei es wichtig, im Umgang mit diesem bzw. vergleichbaren Internetphänomenen Zurückhaltung walten zu lassen und in Ruhe das tatsächliche Risiko herauszufinden. Die künstlich erhöhte Bekanntschaft könnte nämlich den gegenteiligen Effekt zur Folge haben: dass Kinder überhaupt erst auf das Thema aufmerksam werde und mutprobenmäßig plötzlich gezielt nach den verstörenden Inhalten suchen.

Lehrer als digitale Begleiter

Bildungs- und Digitalisierungsexperte Dieter Duftner, Gründer von duftner.digital, weist auf die tatsächlichen Gefahren im Internet hin: „Kinder sind ganz leicht zu beeinflussen und können dadurch physischen und psychischen Schaden nehmen. Das Smartphone ist eine Waffe, und damit meine ich nicht nur eine Allzweckwaffe, der Umgang mit dem Smartphone will gelernt sein.“  Wer einem Kind ein Smartphone zur Verfügung stellt, dürfe es nicht sich selbst überlassen, erklärt Duftner. Es sei wichtig, den Umgang mit digitalen Geräten sowie deren Inhalten so früh wie möglich zu thematisieren, in der Familie aber auch in der Schule: „Es gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit, unseren Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit Smartphone und Co beizubringen. Dafür braucht es auch die Lehrer. Eine Thematik wie „Momo“, egal ob Hoax oder nicht, muss in der Schule angesprochen werden. Lehrer müssen die Lebensrealität der Kinder kennen und verstehen, und die digitale Welt ist nun mal die Welt, in der wir uns zunehmend aufhalten und bewegen.“ Zur Verantwortung von Eltern wie Lehrer gehöre es, Regeln aufzustellen, die Nutzung zu begleiten und sich selbst auf dem Laufenden zu halten. Bei den Digitalkompetenzen der Lehrer sieht Duftner aber noch großen Aufholbedarf. „In vielen Schulen wird die digitale Welt immer noch kaum oder nur wenig thematisiert und ohne digitale Hilfsmittel gelehrt, das bereitet unsere Schüler auf ein Leben in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft vor.“ Kinder sollten das Gefühl haben, dass Erwachsene mitreden können. Nur bei einem intakten Vertrauensverhältnis werden Kinder und Jugendliche verstörende Videos, Bilder oder Nachrichten der Lehrperson zeigen. „Wenn Kinder denken, der Lehrer hat sowieso keinen Tau und lebt im vorigen Jahrhundert, dann werden sie sich bei Problemen auch nicht an ihn wenden.“

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„Momo“

„Wir müssen lernen, solche Themen richtig zu beurteilen und nicht alles gleich unreflektiert aufgreifen.“