Die Datensatz-Baumeisterin mit dem „Wenn­-dann“-Faible

 

Innsbruck (13.06.2019) Hanna Köb studiert im 6. Semester Informatik an der Universität Innsbruck und arbeitet als Software-Entwicklerin bei M-Pulso. Dass einige Wege zu diesem Ziel führen, welche Aufgaben und Tätigkeiten zu erledigen sind und warum ihre Berufswahl mit Musik zu tun hat, beschreibt die gebürtige Vorarlbergerin im nachfolgenden Interview.

Welche Voraussetzungen muss man für den Beruf der Software-Entwicklerin oder Programmiererin mitbringen?

Hanna Köb: Also ich finde, man muss gerne Probleme und Aufgabenstellungen lösen wollen – die Denkarbeit ist Teil des Jobs. Software-Entwicklung hat für mich aber auch mit Kreativität zu tun. Beim Programmieren ist Logik gefragt und der typische „Wenn-dann“-Befehl ist einer der Grundbausteine einer Programmiersprache.  Es gibt nicht den einen Weg für ein Problem, meistens gibt es tausende Lösungen und da gilt es nachzudenken und sich zu fragen: Was ist der schönste und / oder effektivste Weg. Wie schaut die eleganteste Lösung aus für dieses Problem – diesen Anspruch habe ich an mich.

Welche Kompetenzen sind in deinem Beruf besonders gefragt?

Köb: Ich finde Zielstrebigkeit, Selbstorganisation, Selbstmotivation und Geduld sind besonders wichtig. Man muss logisch-analytisch und vernetzt denken, sich eine systematische Arbeitsweise aneignen und ein mathematisches und technisches Verständnis haben. Und nachdem wir Lösungen für die Probleme und Aufgabenstellungen unserer Kunden suchen und entwickeln, sind auch Sozialkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Konfliktfähigkeit, Kontaktfreude und Kundenorientierung wichtig.

Wie wird man Software-Entwicklerin?

Köb: Ob Informatik-Studium oder Lehre – da gibt es eigentlich viele Wege. In unserem Beruf sind aber auch viele Autodidakten zu finden, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen auf die Programmierung von Software spezialisiert haben. Die klassische Laufbahn in der IT schaut übrigens so aus, dass man zu Beginn vor allem programmiert. Als Software-Entwicklerin kommt dann mehr konzeptionelle Arbeit hinzu und man programmiert etwas weniger. Größere Firmen haben sogar eigene Software-Architekten, die sich dann meist ausschließlich um die Konzeption kümmern.

Statt der Berufsbezeichnung Software-Entwicklerin oder Programmiererin wird in letzter Zeit öfter der Begriff der Coderin verwendet – auch, um mehr Frauen anzusprechen. Siehst Du Dich als Coderin?

Köb: Also ich kann nur sagen: Weder auf der Universität noch in der Praxis wird dieses Wording verwendet. Ich persönlich würde mich niemals so bezeichnen. Was man sagt, ist: „man codet“ – das ja. Aber so bezeichnet man den Vorgang, wenn man einen Programmier-Code schreibt. Ich würde mich nie als Coderin vorstellen, wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache.

Software-Entwicklung und das Programmieren plötzlich als Coding zu bezeichnen und damit zu hoffen, dass sich mehr Frauen für diesen Beruf begeistern, bloß weil der Name scheinbar peppiger und moderner klingt, finde ich persönlich einfach lächerlich. Seit einiger Zeit setzen Wirtschaftskammer, das AMS und andere Institutionen auf dieses Pferd. Ich finde Aktionen wie „Frauen in Technik“ überhaupt problematisch, weil damit nur die Message verstärkt wird, dass eine Frau in der Technik nicht der Norm entspricht.

Um die Technik ins Blickfeld der Frauen zu rücken, müsste man meiner Meinung nach viel früher ansetzen. Es sind oft die kleinen Dinge, die viel ausmachen. Mädchen werden Puppen geschenkt und Jungs Ritterburgen. Schon im Kindesalter wird also suggeriert, was von einem Mädchen/Jungen erwartet wird und was zu ihrer Geschlechterrolle passt und was nicht. Egal ob Mann oder Frau – beide haben die Eignung für den Beruf und machen den Job gleich gut.

Wenn Du Deinen Beruf einem Kind beschreiben müsstest, was ist deine Aufgabe?

Köb: Als Software-Entwicklerin baue ich eigentlich etwas – nur ist es eben kein Haus und ich habe dafür auch keine Bauklötze in der Hand. Mein Werkzeug sind Programmiersprachen, Frameworks etc. Ich füge verschiedene Teile zusammen und baue etwas Neues auf. Das, was das Programm leisten soll, z.B. ein Grafik-, Kalkulations- oder Statistikprogramm, setze ich in einer Computersprache um und teste das Programm auf Fehler und Benutzerfreundlichkeit. Und nachdem die Erstellung von Softwareprogrammen ein langer Prozess ist, spezialisieren sich – je nach Aufgabenstellung – Software-Programmierer z.B. auf betriebliche Anwendungen, Computerspiele, Apps, Maschinen-/ Gerätesteuerungen, Benutzeroberflächen, Datenbankprogramme, Webseiten, Social Media Anwendungen. Sie arbeiten dabei auch oft mit anderen Spezialisten zusammen.

Was sind die wichtigsten Tätigkeiten und Aufgabenbereiche von Software-Entwicklern?

Köb: Noch bin ich ja im Praktikum. Ganz grundsätzlich aber erstellen Software-Entwickler Produktions- und Ablaufpläne sowie Programmkonzepte. Sie besprechen sich regelmäßig mit anderen Projektmitarbeitern und Spezialisten, zB Software-Architekten, Web-Designern, Multimedia-Konzeptionisten, Programm-Testern oder Projektleitern. Als Programmiererin entwickelt man natürlich auch Software und Programme, ebenso Arbeitsversionen, Testanwendungen und Prototypen. Treten Programmierfehler auf, so ist es unsere Aufgabe, diese zu beheben. Wir nehmen Änderungswünsche vor und erstellen die Endversion. Wir testen Programme, Anwendungen und Einstellungen, prüfen sie auf ihre Fehlerfreiheit und programmieren sie gegebenenfalls um. Der Kunde ist bei uns König, deswegen ist eine umfangreiche Informations- und Planungsphase sowie die spätere Einschulung in das erstellte Programm extrem wichtig.

Ist es eigentlich schwierig eine Programmiersprache zu erlernen und das Programmieren selbst?

Köb: Also ich finde, man kann alles lernen, wenn man will. Es ist wie überall: Übung macht den Meister. Klar ist die Programmiersprache am Anfang ganz was Neues, aber man findet schnell hinein. Mein Denken hat das schon irgendwie nachhaltig verändert, weil man durch dieses Wissen jetzt ganz anders an Probleme herangeht und anders im Kopf löst.

Wann hast Du beschlossen Software-Entwicklerin zu werden?

Köb: Ehrlicherweise bin in diesen Beruf nur so reingestolpert. Ursprünglich wollte ich eigentlich Musik am Konservatorium studieren, weil ich leidenschaftliche gerne Gitarre spiele, wie auch Klavier und Saxophon. Was ich allerdings unterschätzt habe: Dieses Studium verlangt ein tägliches mehrstündiges Üben – ähnlich hart wie bei Berufssportlern – aber so machte mir Gitarre keinen Spaß mehr und nur Etüden spielen wollte ich auch nicht. Mein Alternative danach war zuerst noch ein Mathematik-Studium. Und erst dort – weil wir im ersten Semester auch programmiert haben – habe ich meine Leidenschaft für die Software-Entwicklung entdeckt.

Hand auf Herz: Macht es ist immer Spaß, als Software-Entwicklerin dauernd Probleme lösen zu sollen?

Köb: Zu Beginn hat mich die Suche nach Lösungen oft Tag und Nacht beschäftigt. Das ging sogar soweit, dass ich in der Nacht aufgestanden bin und diese Gedankenblitze gleich ausprobiert habe, weil endlich die Lösung da war. Was ich wichtig in unserem Beruf finde: Probleme muss man gedanklich auch mal loszulassen können, um diese erst am nächsten oder übernächsten Tag wieder neu zu betrachten, das muss man echt lernen. Die perfekte Lösung kommt schon, wenn man probiert und immer wieder nachdenkt und sich neue Wege überlegt. Hier im Büro ist das echt toll, weil man sich einfach mit den erfahreneren Kollegen austauschen und sie um ihre Meinung bitten kann, da kommt man oft schneller ans Ziel und zu einer Lösung. Im Prinzip ist man als Software-Entwickler nie mit seiner Arbeit fertig, weil ein Software-Update zu programmieren ist, sich die Anforderungen beim Kunden verändert haben oder die Technik sich weiterentwickelt hat. Man muss lernen, das große Ganze und das Ziel im Auge zu behalten, gleichzeitig aber auch die kleinen Schritte dorthin anzuerkennen. Was ich als Software-Entwicklerin einfach als großen Vorteil empfinde: Meine Arbeit kann ich zeit- und ortsunabhängig erledigen. Und das richtig Schöne an meinem Beruf ist: Das was ich hier tue, hat einen Nutzen.

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Hanna Köb
Software-Entwicklerin bei M-Pulso

„Man kann alles lernen, wenn man will. Es ist wie überall: Übung macht den Meister.“